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Alt 06-07-2004, 19:42
kartdriver
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Exclamation AIDS-Rate steigt

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,307098,00.html

AIDS: Vergessener Schock

Jahrelang ist sie gesunken, nun steigt die Zahl gemeldeter HIV-Infektionen in Deutschland wieder, am stärksten in den Großstädten. Die Krankheit hat für viele ihren Schrecken verloren.

Wenn die Lust ihn überkam, verlor er seine Angst. Jedenfalls erklärt sich das der 31-jährige Kölner heute so. Meistens schützte er sich, wenn er mit Männern schlief, aber manchmal ließ er das Gummi auch weg: "Sex, das ist Leben. Wer will da schon ans Sterben denken?"

Der junge Mann sitzt auf einem Barhocker in seiner Ein-Zimmer-Wohnung. Seit acht Monaten weiß er von seiner HIV-Infektion: Bis dahin schwebte die Aids-Gefahr für ihn "irgendwo über den Wolken". Die Fotos siechender Kranker aus den achtziger und neunziger Jahren hatte er zwar noch gesehen, aber er war nicht wie ältere Schwule damals von Beerdigung zu Beerdigung gezogen. Die Bilder kamen ihm so fern vor wie die Angst vor einem Atomkrieg.

Wie dem Kölner geht es offenbar vielen Deutschen, die sich immer öfter ohne Schutz vergnügen: Seit Anfang der neunziger Jahre sank die Zahl der neu gemeldeten HIV-Infektionen kontinuierlich - doch jetzt steigt sie plötzlich wieder, von etwa 1700 im Jahr 2002 auf zuletzt knapp 2000 (siehe Grafik). Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnen schon in einer gemeinsamen Erklärung vor einer möglichen "neuen Dynamik" der Epidemie. In anderen Ländern Westeuropas zeigt sich der Trend deutlicher, England und die Schweiz etwa beklagen Zuwachsraten von über 20 Prozent.

Schockiert fragen sich nun Aids-Aktivisten und Wissenschaftler, ob der Anstieg der Zahlen ein erstes Indiz dafür sein könnte, dass das Virus seinen Schrecken verloren hat. Ist durch neue Therapien etwa vor allem bei jungen Leuten der irrige Eindruck entstanden, Aids wäre heilbar? Oder haben gerade jene, die mit der Angst aufwuchsen, schlichtweg die Nase voll vom sorgenvollen Sex?

Wenn am Sonntag in Bangkok die Internationale Aids-Konferenz beginnt, dürfte Deutschland angesichts der dramatischen Opferzahlen aus Asien, Afrika und Osteuropa zwar nur eine Nebenrolle spielen: Weltweit leben über 40 Millionen Infizierte, hier zu Lande sind es etwas mehr als 40 000.

Doch in Westeuropa deutet vieles auf eine neue Unbekümmertheit hin. Ein erstes Indiz ist für Seuchenexperten die seit einigen Jahren von Stadt zu Stadt schwappende Syphilis-Welle. Die Zahl der Infektionen bei den 30- bis 40-jährigen Männern verdreifachte sich in den vergangenen beiden Jahren.

Und wie die RKI-Experten gefürchtet hatten, folgte das schwerer übertragbare HI-Virus: Am stärksten grassiert es unter jenen Großstädtern bis 40, deren nächtliche Ausflüge gern schon mal in wechselnden Betten enden. Fast die Hälfte der Neuinfizierten des vergangenen Jahres leben in Metropolen wie Berlin, Hamburg, München, Köln oder Frankfurt.

Am häufigsten erwischt es schwule und bisexuelle Männer. Aus diesem Personenkreis stammen 41 Prozent der Neuinfizierten. Migranten, die schon HIV-positiv einwandern und dann hier registriert werden, bilden mit 23 Prozent die zweitgrößte Gruppe.

Aber auch bei Heterosexuellen aus Deutschland besteht kein Anlass zur Sorglosigkeit. Zwar wissen laut einer Langzeitstudie der BZgA stolze 99 Prozent der Bevölkerung, dass ungeschützte Kontakte riskant sind - aber viele unterschätzen die Folgen einer Infektion: So nennen nur noch 30 Prozent Aids als eine der gefährlichsten Krankheiten, 1987 waren es mehr als doppelt so viele.

Die Folgen sind vor allem bei Schwulen erschreckend: Manche Männer, ob infiziert oder nicht, treffen sich inzwischen auf so genannten Bareback-Partys, bei denen es ohne Gummi zur Sache geht.

Der 29-jährige Daniel W., selbst HIV-positiv, hat besonders seltsame Avancen bekommen. Auf seiner Homepage bei einem schwulen Kontaktdienst hat der Musikstudent aus Köln in der Rubrik Safer Sex "egal" ausgewählt. Dadurch angespornt, baten ihn einige Männer, sie zu "pozen" - sprich: zu infizieren. "Für die ist das wie ein Freischein, nach dem Motto: Dann kannst du rumpoppen, wie du willst."

Derart krasser Leichtsinn ist allerdings selten. Die meisten Schwulen und Bisexuellen setzen sich mit der Gefahr auseinander und passen nach wie vor auf. Aber egal ob schwul, bi oder hetero: Der Langzeitstudie der BZgA zufolge

· benutzten voriges Jahr nur noch 78 Prozent von 3602 Befragten mit mehreren Sexpartnern Kondome, zwei Jahre zuvor waren es noch 83 Prozent;

· schützten sich zu Beginn neuer Beziehungen im vergangenen Jahr nur 73 Prozent der unter 45-jährigen Singles, im Jahr 2000 waren es 5 Prozent mehr;

· sanken die Absatzzahlen der Kondomhersteller in Deutschland, von 207 Millionen Stück im Jahr 2000 auf zuletzt 189 Millionen.

Und das, obwohl die Wissenschaftler nach manch voreiliger Erfolgsmeldung inzwischen ernüchtert sind. Weder hat die Pharmaindustrie einen Impfstoff entwickeln können noch heilende Medikamente - und nichts dergleichen ist in Sicht. "Aids ist die größte medizinische Katastrophe der Neuzeit", klagt der Chef des RKI, der Virologe Reinhard Kurth, "vergleichbar höchstens mit der Pest." Im Gegensatz zur Pest aber merke man eine HIV-Infektion meist über Jahre nicht und könne "den Erreger eine lange Zeit unwissentlich weiter verbreiten".

Nur: Wen erreicht er mit seiner drastischen Botschaft noch? Erstmals hat eine Generation den Aids-Schock nicht mehr bewusst erlebt. Vielen der Jüngeren geht es wie Daniel W. aus Köln: "Wie hoch das Risiko wirklich ist, das ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden."

Die neuen Medikamenten-Cocktails können zwar helfen, die Virenzahl im Blut zu senken und den Ausbruch von Aids hinauszuzögern. Doch Patienten müssen die Pillen in hoher Zahl ein Leben lang schlucken, auch wenn sie unter Nebenwirkungen wie Impotenz, Durchfall oder entstellenden Verschiebungen des Fettgewebes leiden.

Obendrein kann HIV Resistenzen entwickeln, immer noch sterben jährlich bis zu 700 Menschen in Deutschland an der Krankheit. "In letzter Zeit", sagt die Kölner Aids-Helferin Heidi Eichenbrenner, "bin ich wieder öfter auf Beerdigungen gewesen."

Bei der Suche nach den Ursachen dafür stieß sie auf Inserate von Pharmakonzernen, "die alle so Lifestyle-mäßig aufgemacht waren, da hat nie ein Patient wochenlang Dünnpfiff". Die Anzeige des New Yorker Pillenherstellers Bristol-Myers Squibb in schwulen Stadtmagazinen beispielsweise zeigt zwei glückliche Männer, die gerade ihre neue Wohnung einräumen. "Die Zukunft erleben, die Gegenwart vereinfachen", steht darunter.

Als wäre es so leicht. Der von Natur aus zartgliedrige Daniel W. etwa verträgt HIV-Medikamente nicht, "ich falle dann jedes Mal ein Semester aus". Ihn peinigen Fieberschübe und Ausschlag, aber vor allem leidet der Fan klassischer Musik darunter, kein Klavier mehr spielen zu können. Schluckt er die Pillen, erstarren seine Finger geradezu. Im Moment spielt er lieber - und hofft auf ein Wunder.

Infiziert hat er sich vor fünf Jahren, bei wem, weiß er nicht, er hatte damals manchmal drei, vier Partner die Woche. Und bei vielen, so empfindet er es jedenfalls, sei das Thema wieder tabu. In der schwulen Szene, dürfe "man keinen Makel haben, und HIV ist ein Makel, ganz extrem".

Daniel würde sich in der Szene auch nicht als "Positiver" outen wollen und vergnügt sich stattdessen ohne Rücksicht auf Verluste: "Es ist doch abtörnend, wenn du mitten im Geschehen sagst: ,Du, ich bin positiv.' Ich glaube, 80 Prozent der Jungs wären dann erst mal weg."

Zynisch genug: Gerade die Erfolge der Aids-Forschung bergen neue Risiken. Die Mitte der neunziger Jahre eingeführten Kombi-Therapien halten das Virus zwar über Jahre und womöglich Jahrzehnte in Schach. Aber wer länger gesund erscheint, ist auch länger sexuell aktiv - und kann das Virus weitertragen, oft sogar in Form resistenter Stämme.

Aufklärung könnte vielleicht helfen, aber ausgerechnet in einer Phase, in der sich das Virus wieder stärker ausbreitet, werden die Mittel für Aids-Hilfen zusammengestrichen. Selbst HIV-Tests wollen einige Gesundheitsämter nicht mehr kostenlos anbieten.

Die BZgA erhielt 1987 noch rund 25 Millionen Euro für die Aids-Prävention, während es heute nur 9 Millionen sind. "Wir dürfen den erreichten Erfolg nicht gefährden", fordert die Chefin der Behörde, Elisabeth Pott.

Denn die BZgA-Kampagne "Gib Aids keine Chance" erwies sich als brauchbare Waffe im Kampf gegen die Epidemie. HIV konnte in Deutschland so stark wie kaum sonstwo in Europa eingedämmt werden.

Heute kämpft Behördenchefin Pott allerdings darum, überhaupt noch einen TV-Spot senden zu können: Die kostenlosen Programmplätze in Kino und Fernsehen haben sich stark verringert. "Wir müssen gerade die jungen Leute immer wieder neu aufklären. Plakate allein reichen nicht", warnt sie und macht eine Rechnung auf: Die Behandlung eines Infizierten koste durchschnittlich 25 000 Euro pro Jahr. Prävention, so Pott, könne sich also auch finanziell lohnen.

DOMINIK CZIESCHE
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hivneuinfektionen, steigt, zahl

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